Die Projektmethode

home

William H. Kilpatrick beschreibt diese Methode in seinem berühmten Aufsatz The Project Method. Bei dieser Methode sollten die Kinder das Lernen, was sie wissen mussten, um ein Thema zu bearbeiten, das sie interessiert. Die Barriere zwischen den Fächern wurde aufgehoben.

Lernen steht im Projekt in enger Beziehung mit dem Leben. (Vgl. [16] S. 14) Um ein Thema zu bearbeiten, sind die Schüler gefordert, einen Plan aufzustellen. Dies erfordert eine Aktivierung des Gewussten und Wissbaren aus allen Lehrbuchgebieten. Denn alles für die Gestaltung Relevante muss in die Überlegung miteinbezogen werden. Dabei lernt der Schüler nicht nur einen bestimmten Inhalt, sondern vielmehr findet ein sogenanntes "concomitant learning" (nebenhergehendes Lernen) statt. Diesem schreibt Kilpatrick eine sehr große Bedeutung zu. (Vgl. [8] S. 110)

"Concomitant learning" bewirkt, dass simultan zum geplanten Lernhandeln eine Fülle anderer Dinge so eingesehen und angeeignet werden, dass das Transferproblem überhaupt nicht erst entsteht. Denn ein Wesensmerkmal des Projekts ist, dass das in seinem Kontext gelernte konstitutiver Bestandteil der Person wird und daher transferierbar für alle Lebenslagen ist. Kilpatrick wendete sich gegen das vermeintlich didaktisch gezielte Lernen auf Vorrat ("storage theory"), denn was keinen Lebensbezug hat, wird nicht eingeordnet und fällt dem Vergessen anheim. (Vgl. [8] S. 114f) Bei der Projektmethode wird dagegen nichts umsonst oder sinnlos gelernt, sondern immer, um eine (selbstgestellte) Aufgabe zu bewältigen. Das Kind lernt dabei nicht abstrakt für eine fiktive Situation, die möglicherweise nie eintritt.

Ein Projekt kann alles sein, solange es die folgenden drei Bedingungen erfüllt: Es muss ein Plan existieren, starkes individuelles Interesse vorhanden sein und geeignete Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. (Vgl. [8] S. 110) Projekte entstehen aus einer Lernfrage, und jede Lernfrage ist immer auch eine Lebensfrage. Denn für Kilpatrick ist Lernen gleich Leben. Sie setzt unmittelbaren Kontakt mit lebensnahen Situationen voraus: "We learn what we practise. We do not learn what we do not practise". (Kilpatrick zit. n. [8] S. 62)

Projekte können individuell geplant sein (Drachen bauen, Kleid nähen, etc.) oder von einem Kollektiv unternommen werden (Klassenzeitung, Theateraufführung, Baseballmannschaft, etc.). Dabei wird deutlich, dass ein Projekt in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit durchgeführt werden kann. (Vgl. [5] S. 187) Um aus der Vielzahl der möglichen Projekte eines auszuwählen, müs-sen die Schüler auch lernen, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen zu treffen. Dabei ist jedes Kind sein eigener Lehrplan. Das individuelle Lerninteresse steht im Vordergrund. Ein Projekt ist dann das, was dieses Interesse stimuliert. (Vgl. [5] S. 185) Sinnkriterium für das Projekt ist dabei das planvolle Handeln aus vollem Herzen ("hearty purposeful act") in einer sozialen Umgebung. (Vgl. [8] S. 108)

Kilpatrick unterscheidet verschiedene Typen von Projekten; bei den einzelnen Arten geht es darum,
- etwas herzustellen oder zu bewirken (Typ I)
- etwas zu genießen oder eine konkrete Erfahrung zu machen (Typ II)
- ein Problem (geistig) zu lösen (Typ III)
- Wissen oder Fähigkeiten zu erwerben (Typ IV). (Vgl. [5] S. 186)

Allen Projekttypen ist dabei gemeinsam, dass zur Bewältigung vier Stufen aufeinander folgen: Beabsichtigen - Planen - Ausführen - Urteilen. (Vgl. [8] S. 113) Da die Absichten und Pläne des Kindes nicht immer ohne weiteres be-reits gut sind, wird auch die Rolle des Lehrers deutlich: "Es ist die Pflicht des Lehrers, wie ich sie verstehe, einerseits die schlechten Absichten auszuschließen - friedlich, wenn er kann, mit Gewalt, wenn er muß - und andererseits die heil-samen Absichten, die wir alle zusammen billigen, zu fördern . . . Ich wage zu behaupten, daß kein anderer Typ eines Schulprozesses so angemessene Bedingungen für eine gute Charakterentwicklung sichert (...)." (Kilpatrick zit. n. [8] S. 111)