Colonel Francis W. Parker (1837-1902)

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"everything to help and nothing to hinder" ([C])

Colonel Francis W. Parker. Quelle: http://www.fwparker.org/about/history.html Biographisches:
Der 1837 geborene Francis Wayland Parker verlor seinen Vater schon sehr früh. Daher wuchs er von seinem 7.-13. Lebensjahr auf der Farm eines Onkes auf. In dieser Zeit besuchte er lediglich 2 Monate im Winter eine Dorfschule. Hier liegen auch die Wurzeln für seine Definition von Schule als Gesellschaft. Denn während des 19. Jahrhunderts gehörte die Dorfschule nicht nur rechtlich zur Gemeinde, sondern das Schulhaus war das erzieherische, soziale, dramatische, politische und religiöse Zentrum der Gemeinde. Während seiner Zeit auf der Farm lernte er auf natürliche Weise seine Umgebung und die Natur kennen (Tiere, Pflanzen, Gesteine, grundlegende physikalische Gesetze, etc.).
Damals wusste er noch nicht, dass diese Erfahrung seine Erziehungsmethoden beeinflussen würde.

Bereits im Alter von 16 Jahren übernahm Parker dann eine erste Lehrtätigkeit. Er unterrichtete vier Jahre in New Hamphsihre. Anschließend kämpfte er im Bürgerkrieg und wurde mit dem Rang eines Lieutenant Colonel ausgezeichnet. (Vgl. [15] S. 31f) Danach arbeitete er als Direktor an der Normal School in Dayton/Ohio. 1871 begann er, Pädagogik zu studieren. Ein Jahr später reiste Parker nach Europa (Deutschland, Holland, Schweiz, Italien und Frankreich), um innovative Schulkonzepte und die Ideen von Rousseau, Froebel, Herbart und Pestalozzi näher kennen zu lernen. 1875 kehrte er in die USA zurück und erhielt als Superintendant in Quincy/Massachusets die erste Chance, seine Ideen umzusetzen. Bis 1901 arbeitete Parker als Lehrer und Direktor an verschiedenen Schulen in Boston und Chicago. (Vgl. [15] S. 32f und [13])

Colonel Francis W. Parker. Quelle:  http://www.fwparker.org/centennial/centmerch.htmlErziehungsvorstellungen:
Parker experimentierte 25 Jahre lang mit neuen Erziehungsmethoden als Lehrer von Grundschülern und Lehrern. U.a. an einer Schule in Quincy/Massachusets (dort wurde er erstmals als innovativer Erzieher wahrgenommen) und an der Cook County Normal School in Chicago, wo er die Lehrerausbildung mit der Kindererziehung kombinierte. Aus seinem letzten Experiment am Chicago Institute ging 1901 die Francis W. Parker School hervor, die auch die Kinder von John Dewey zwei Jahre lang besuchten, bis dieser seine eigene Schule (Laboratory School) eröffnete.

Die Francis W. Parker School wurde aber nicht, wie der Name suggeriert, von Parker gegründet, sondern von Mrs. Blaine, der Tochter eines reichen Industriellen. Sie überredete ihn, ein Schulkonzept für eine Privatschule zu entwickeln, welches seinen neuen erzieherischen Ideen entsprach. In der von Parker konzipiertem Schule wollte er neben der Erziehung der Kinder außerdem die Ausbildung von Lehrern ermöglichen. Diese erfolgte nach den gleichen weiter unten genannten Prinzipien, so dass in den Klassenstufen 1-8 jeweils ein in Ausbildung befindlicher Lehrer assistierte. (Vgl. [15] S. 23ff)

Zu Beginn besuchten 180 Schüler im Alter von 6 - 18 Jahren die Francis W. Parker School. Parker war bis zu seinem Tod im Jahre 1902 Direktor der Schule. Bis weit über die Gründungsjahre hinaus unterstützte Blaine die Schule finanziell in nicht unerheblichem Maß.

Parkers Erziehungsmethoden wurden beeinflusst durch seine eigenen Erfahrungen in der Kindheit und durch Persönlichkeiten wie Jean-Jaques Rousseau, Friedrich Froebel, Johann Friedrich Herbart, Johann Amos Comenius, Johann Heinrich Pestalozzi, Horace Mann und John Dewey.

Von Comenius übernahm er das Prinzip "learning by doing" oder "aktives Lernen". Dieses sei rein verbalem oder passivem Lernen immer vorzuziehen. Parker berücksichtigte dies während seiner gesamten Lehrertätigkeit. (Vgl. [15] S. 27f und [13])

An Froebel angelehnt ist die Ansicht Parkers, dass Erziehung die Entwicklung des ganzen Individuums beinhaltet: Geist, Körper und Moral. Nicht die Ansammlung von Wissen, sondern die Formung eines Charakters sollte das Ziel sein. Um eine Erziehung des ganzen Kindes zu ermöglichen, führte er verschiedene neue Schulfächer (Gesundheitserziehung, Werken, Musik, bildende und darstellende Kunst, alle Arten von Naturwissenschaften, etc.) ein und änderte die Methoden in den traditionellen Fächern Lesen, Schreiben und Mathematik.

Weiter versuchte Parker, die Psychologie Herbarts berücksichtigend, durch "concentration and correlation", alle Fächer im Lehrplan zu vereinigen. "Concentration" kommt dabei direkt von Herbart und meint soviel wie: Betonung legen auf ein Thema oder einen Inhalt. "Correlation" war Parkers Weg, diese "concentration" zu erreichen. Es steht für die Integration mehrerer Fächer wie Geographie, Naturwissenschaften und Mathematik in das, was er "central subject" nannte. Mit diesem "concentration and correlation" wollte Parker ein "quality teaching" (wenige Fächer auf natürlichem Weg) erreichen und wendete sich gegen das sogenannte "quantity teaching" (Lehren vieler voneinander getrennter Fächer). Denn die Fächer sind natürlicherweise miteinander verbunden und Parker sieht keinen Grund, diese im Lehrplan künstlich zu trennen.
Kurz: Wenige Fächer aber viele Aktivitäten charaktierisieren die pädagogische Methode.

In der Betonung darauf, dass die Erfahrungen der Kinder und ihre Erziehung in einer natürlichen Umgebung von Liebe und Sicherheit stattfinden solle, kann man außerdem Pestalozzi wiederfinden. Das Modell für eine Schule dieser Art ist für beide das Zuhause. Außerdem war Parker vom "object learning" Pestalozzis begeistert. Dies besagt soviel, wie: Lernen beginnt mit der Beobachtung. Die "natürliche Methode" entspricht dem "quality teaching". (Vgl. [15] S. 29f)

Veröffentlichungen:
Talks on Teaching (1883)
Talks on Pedagogics (1894)