School of Organic Education

home

Die School of Organic Education wurde 1907 in Fairhope/Alabama, einer "utopian community" gegründet (Fairhope entstand 1902 als eine "single-tax" Kolonie, begeistert von den Theorien Henry Georges (Progress and Poverty, 1879). Es war das erste und größte single-tax Experiment der Nation.). Sie war eines der ersten Modelle der Progressive Education.

Im ersten Jahr begann Johnson mit einem Kindergarten. 1908 hatte sie bereits 30 Schüler, davon 20 im Kindergarten. Obwohl sie auch ältere Schüler unterrichten wollte, konzentrierte sie sich zunächst auf die jüngeren. Ein Freund aus Fairhope meinte, das sie die Kindergarten-Methode durch die ganze Schule zog, so wie Froebel es vorhatte. Johnson nahm dies als Kompliment; sie erwähnte Froebel öfter als jeden anderen klassischen Pädagogen, sogar häufiger als Rousseau, dessen "Emile" vielen Besuchern der Organic School in den Sinn kam. (Vgl. [15] S. 73)

Die Schüler kamen aus allen sozialen Schichten. Auch behinderte Kinder besuchten die School of Organic Education. Es wurden aber nur weiße Kinder aufgenommen. (Dies war für die damalige Zeit normal. Außerdem fürchtete man, durch die Aufnahme von schwarzen Kindern das Gemeindeprojekt zu gefährden. Vgl. [15] S. 74)

Die Schule erreichte ihren Höhepunkt in den 20er Jahren, u.a. auch, weil John Dewey die Schule in seinem Buch "Schools of Tomorrow" sehr gelobt und zu einer Verbreitung von Marietta Johnsons Ideen beigetragen hat.

Ihr Ziel war es, den Kindern eine ihren individuellen Fähigkeiten entsprechende freiheitliche Entwicklung zu sichern. Schüler bis zu einem Alter von acht bis neun Jahren hatten keine Bücher und lasen auch nicht. Johnsons Begründung war, dass das Nervensystem der Kinder bis zum 8./9. Lebensjahr für das Lesen noch nicht genügend entwickelt sei. Diese Ansicht übernahm sie von Oppenheim, der sogar davon ausging, dass das Nervensystem erst ab dem 10./12. Lebensjahr weit genug entwickelt sei. Johnson sah sich aber dem Druck der Eltern ausgeliefert, die erwarteten, dass ihre Kinder lesen lernen. Daher wartete sie also nicht bis zum 12. Lebensjahr. Um dennoch ihren Standpunkt zu verteidigen, führte sie verschiedene Krankheiten an, die durch zu frühes Lesen entstehen könnten und lud auch Kritiker in die Schule ein, die sich davon überzeugen konnten, dass die Schüler dann anfingen zu lesen, wenn sie bereit dazu waren. Diese Schüler lasen leicht, natürlich und gerne. Schon nach wenigen Jahren war ihre Leseleistung gleich oder besser als die von gleichaltrigen Schülern, die nach traditioneller Methode das Lesen gelernt hatten. (Vgl. [15] S. 77f)

Johnson forderte von ihren Schülern neben Anwesenheit in der Klasse, Pünktlichkeit und aufrichtiger Anstrengung in jeder Situation ihr Bestes. Sah sie dies, war sie zufrieden, ansonsten spürten die Schüler ihre Enttäuschung. (Vgl. [15] S. 78 und [D]) Sie wollte, dass die Kinder ein Gefühl der "inneren Notwenigkeit" entwickelten. Dies sei jedoch nur ohne äußeren Zwang möglich. Die Schüler sollten arbeiten, um sich selbst zu befriedigen, nicht, um die Erwachsenen zu befriedigen. (Vgl. [15] S. 78) Johnson hatte die Idee, dass Kinder beim Lernen aktiv sein sollen. Denn Lernen ist eine Konsequenz und eine Begleiterscheinung von Aktivität. Lernen erfolgt durch Tun und eigene Erfahrung. (Vgl. [D]) Dabei stellt das Spiel eine wichtige Komponente des Lernens dar. Dies führte Johnson auch zu folgender Aussage: "Die größten Geister / Köpfe sind solche, die fähig sind, den Spielgedanken in der Arbeit zu gebrauchen." ( Johnson zit. n. [D]) Des weiteren hatte die körperliche Erziehung durch Volkstanz und kreative Spiele eine große Bedeutung in Johnsons Konzept.

Das Verhältnis von Lehrern zu Schülern belief sich auf 1 zu 10. Dabei arbeiteten die Lehrer nahezu umsonst. Es war für sie Lohn genug, für und gemeinsam mit Marietta Johnson zu arbeiten. (Vgl. [15] S. 99 und [D])

In der Schule gab es nur jahrgangsgemischte Klassen: kindergarten class (4-5jährige), first life class (6-7jährige), second life class (8-9jährige), third life class (10-11jährige) und die fourth life class (12-13jährige). Die letzten vier Jahre besuchten die Schüler dann die High School. (Vgl. [15] S. 79)

Die drei "Säulen" der Schule bildeten Volkstanz, Kreatives Spiel und Kunst und Handwerk. Auch in der High School wurde auf die organische Erziehung Wert gelegt. Fächer wie Volksmusik, Volkstanz, Drama und Handarbeit waren für Marietta Johnson nicht weniger wichtig, als die akademischen Fächer. Diese Fächer zählten auch zu den Pflichtfächern. (Vgl. [D])

Die School of Organic Education war eine Schule ohne Hausaufgaben, Noten, Zeugnisse oder Abschlussprüfung. Es gab auch keine Mitteilungen an die Eltern über die Leistungen oder das Verhalten ihrer Kinder. Johnson traute den Eltern nicht. Die Kinder könnten "zerstört" werden, wenn die Eltern z.B. wegen schlechter Leistungen großen Druck auf ihre Kinder ausübten. Dies hätte der Idee einer Erziehung ohne äußere Zwänge widersprochen. (Vgl. [15] S. 78f)

1913 besuchte John Dewey die School of Organic Education. Sein Sohn Sabino (damals 14 Jahre alt) begleitete ihn und besuchte während des Aufenthaltes den Unterricht. Er war so begeistert, dass er dort bleiben wollte. Dewey beschrieb Johnsons Schulkonzept als "an Experiment in Education as Natural Development" und nannte es einen "decided success". (Vgl. [D] und [15] S. 68, S. 75)

Er erklärte das grundlegende Prinzip der Organic School mit Rousseaus zentraler Idee. Das Kind ist für ein Leben als Erwachsener bestens vorbereitet, wenn es in seiner Kindheit Erfahrungen sammelt und das erforscht, was für es als Kind von Bedeutung ist. Außerdem hat das Kind ein Recht darauf, Freude an der Kindheit zu haben. Desweiteren sieht Dewey den Grund dafür, eine Schule zu haben, in der die Kinder zusammenarbeiten darin, dass das Kind lernen muss, mit anderen zu kooperieren. Marietta Johnson hat versucht, dies zu berücksichtigen und einen Plan zu finden, der der individuellen Entwicklung die größtmögliche Freiheit bietet. Die in damaligen Zeiten sehr kindzentrierte Schule ist auch heute noch kindzentriert. (Vgl.[D])