Die "Eight-Year Study"

home

Ziel und Durchführung der Studie:
Nachdem eine kleine Studie von J. W. Wrightstone zu dem Ergebnis kam, dass die Schüler sogenannter Neuer Schulen keineswegs gerin-gere Leistungen erbrachten, als Schüler traditioneller Schulen, be-schloss die Progressive Education Association in einer umfangreichen Studie auch dieser Frage nachzugehen. Sie veranlasste in den Jahren von 1933 - 1941 die sogenannte "Eight-Year Study". (Vgl. [8] S. 123) Die P.E.A. wollte mit der Studie nachweisen, dass für einen Schul- bzw. Studienerfolg nicht in erster Linie die Sachgebiete und ihre traditionelle systematische und prüfungsorientierte Vermittlung ausschlaggebend seien. Wichtiger wurden von der Organisation die Demokratisierung des Schullebens, die Mitbeteiligung der Schüler und ihrer Eltern am Schulleben, die Motivation sowie die Gestaltung des Lehrer-Schüler-Verhältnisses bewertet. (Vgl. [8] S. 126) Die Studie wurde also konzipiert, um die Wirksamkeit der Ideen der Progessive Education zu erweisen. Konkret sollten die Reformmöglich-keiten der Sekundarbildung im Zusammenhang mit der heftig kritisierten Zulassungsprüfung zum College (College Entrance Requirements) kritisch geprüft werden. Die Zulassungsprüfungen wurden von breiten Kreisen als das schwerste Hindernis zu einer Reform der High School betrachtet. Für die Untersuchung wurden aus einer Liste von 200 High Schools 30 Schulen hinschtlich ihrer sozialen und organisatorischen Struktur aus-gewählt. Es waren sowohl öffentliche als auch private Schulen unter den Teilnehmern, unter ihnen auch z.B. die F. W. Parker School und die Dalton School. Alle teilnehmenden Schulen erfuhren einen Frei-spruch von der Verpflichtung auf die Zulassungskriterien und die Frei-stellung zur innovativen Arbeit. Um den Studienerfolg der Ehemaligen festzustellen, wurde die Eight-Year Study auf 300 Colleges ausge-dehnt, die sich dazu verpflichteten, die Schüler der 30 Versuchsschulen prüfungsfrei aufzunehmen. Eine Kommission, die Repräsentanten verschiedener Institutionen um-fasste, hatte die Ergebnisse zu prüfen. (Vgl. [8] S. 125f)

Ergebnisse:
Der abschließende Bericht der Kommission erschien 1942 in der fünfbändigen Studie Adventure in American Education. Auf dem Hintergrund von 1.475 miteinander verglichener Graduiertenpaare, konnte über die Absolventen der 30 Schulen folgendes ausgesagt werden: (Vgl. [8] S. 127)

Insgesamt erreichten sie einen etwas besseren Klassendurchschnitt
In jedem der vier Collegejahre erwarben sie ein wenig mehr akademische Anerkennung
Sie schienen einen ausgeprägteren Fragewillen zu besitzen
Sie verfügten über eine präzisere, systematischere und objektivere Denkweise
Sie schienen klarere Vorstellungen hinsichtlich der Bedeutung der Erziehung gewonnen zu haben
Sie bewiesen häufig einen hohen Grad der Erfindungsgabe in der Begegnung mit neuen Situationen
Sie hatten dieselben Anpassungsschwierigkeiten wie die Vergleichsgruppe, kamen aber zu effektiveren Lösungen
Sie nahmen bereitwillig am organisierten Studentenleben teil
Sie erwarben eine höhere Anerkennung in nicht-akademischen Bereichen
Sie besaßen eine bessere Orientierung hinsichtlich der Berufswahl
Sie zeigten eine aktivere Teilnahme an nationalen und internationalen Fragen

Das Ergebnis der Studie war also durchaus positiv für die Progressive Education. Aus der Sicht der Colleges wurde deutlich, dass die Absolventen der progressiven Schulen zu den aufgeschlosseneren Studierenden gehörten, die mit eigenen Fragen an die Aufgaben herantraten. (Vgl. [8] S. 125) Dieses Ergebnis deckt sich weitgehend mit den Aussagen anderer Beobachter hinsichtlich der Erfolge der Progressive Education. Sie liegen weniger im Bereich maximierten Wissens, als in der selbstkritischen Haltung beim selbsttätigen Wissenserwerb. Den Aussagen - auch späterer Kontrolluntersuchungen - entsprechend, scheint die in sich bündige Annahme zuzutreffen, dass eine entwicklungsgerechte und jugendnahe Erziehung in selbsttätiger und selbstkritischer Arbeitsweise verantwortungsvolle und urteilsfähige junge Menschen zum Ergebnis hat. (Vgl. [8] S. 129) Da die Veröffentlichung der Ergebnisse der Eight-Year-Study während des zweiten Weltkrieges erschien, fand sie leider kaum Beachtung. Sie wurde weder in den USA ausreichend diskutiert, noch in Europa über-haupt bekannt. (Vgl. [8] S. 125) Ein Lehrer schreibt hierzu: "The Eight-Year Study is a dead issue. The war killed it." (Vgl. [8] S. 121)