City and Country School

(gegründet unter dem Namen Play School)

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Die Play School war zu Beginn eigentlich ein Kindergarten; das Au-genmerk lag auf der Kleinkinderziehung. In der Schule wurden - wie auch bei Margaret Naumburg - Formen des freien und gestaltenden Schaffens eingeführt: das Stegreifspiel, Zeichnen und Formen mit verschiedenen Materialien nahmen neben dem Spiel mit Holzblöcken einen bedeutenden Platz ein. Durch das hantieren mit diesen Blöcken sollte die Phantasie angeregt und den Kindern eine Möglichkeit gegeben werden, sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen und diese zu verstehen. Zwar ist Caroline Pratt diesen Blöcken erstmals im Kindergarten des Teachers College begegnet, jedoch sind sie eindeutig an den Spielgaben Froebels orientiert.

Mit der Gründung der Play School wollte Caroline Pratt den Kindern aus der Nachbarschaft, speziell den Arbeiterkindern, die Möglichkeit geben, durch spielen ihre Umwelt zu verstehen. In ihrer Schule lernten die Kinder also vorwiegend durch spielen, und dies ist - nach Caroline Pratt - für sie harte Arbeit. (Vgl. [15] S. 124f)

Die Schule wurde 1914 mit einer Gruppe von vierjährigen Kindern eröffnet. Ein Jahr später hatte die Schule bereits zwei Gruppen, eine gemischte Gruppe aus vier- und fünfjährigen Kindern und eine mit sechsjährigen. Nach und nach kamen auch immer ältere Kinder dazu (bis zu 13-jährigen). (Vgl. [15] S. 124, 127)

1921 änderte Caroline Pratt den Namen der Schule in City and Country School, um als Schule und nicht nur als Kindergarten oder Vorschule auch ernst genommen zu werden. Schließlich hatte sich der Adressatenkreis der Schule auch gewandelt. "Country" steht dabei für das Sommerprojekt auf einer Farm, das sie gemeinsam mit Lucy Sprague Mitchell einführte. Dieses Programm wurde 13 Jahre lang durchgeführt.( Vgl. [15] S. 127) Das Schulkonzept baute in dieser Zeit auf zwei verschiedene Dinge auf: auf das Lernen in Greenich Village, mitten in der Großstadt New York und auf das Lernen auf dem Land. Dies sollte auch einen Ausgleich zum Stadtleben darstellen.

Das Lernen in der Schule baute, wie schon erwähnt, auf dem Spiel mit Holzblöcken auf. Dies war jedoch nur für die drei- bis siebenjährigen Kinder der Schwerpunkt. Für die älteren Kinder wurden die sogenannten "Jobs" zum Hauptinhalt. (Vgl. [15] S. 129)

Die drei- und vierjährigen Kinder benutzten die Holzblöcke, um ihre unmittelbare Welt und Umwelt zu verstehen. Dazu pflasterten sie z.B. Straßen oder konstruierten Bauten; die siebenjährigen schließlich bauten ganze Gemeinden oder Stadtteile nach, in denen weder fließend Wasser noch Elektrizität fehlten. Durch diese immer komplizierteren Abbildungen ihrer Umwelt war es notwendig, dass die Kinder ihre Welt untersuchten, unabhängig und kooperativ arbeiteten, Fragen stellten und Antworten fanden, Probleme lösten, recherchierten und so zu unabhängigen Lernern wurden. (Vgl. [15] S. 128)

Bei den Jobs ging es dann weniger darum, die Welt und Umwelt zu verstehen, sondern eher darum, dass die Schule als Gesellschaft funktionierte. Auch hierzu war natürlich ein Verständnis der Funktionsweisen erforderlich, das die Schüler sich nach und nach aneigneten. Daneben wurden die sozialen Fähigkeiten in erheblichem Maße gesteigert. Diese sozialen Fähigkeiten schienen für Caroline Pratt auch wichtiger zu sein, als das Wissen an sich. (Vgl. [15] S. 129f)

Neben den Blöcken und den Jobs gab es noch andere pädagogische Angebote, die sogenannen "specials". Zu ihnen zählten z.B. die Bücherei, Musik, Kunst, Schauspiel, Wissenschaftslabore, Rhythmusräume und Spielplätze. Dabei konnten jederzeit alle Materialien für alle Aktivitäten genutzt werden. (Vgl. [A])

Die Jobs waren eine Voraussetzung dafür, dass die Schule als in vielen Bereichen selbständige Gesellschaft überleben konnte. Im folgenden möchte ich einige Jobs kurz vorstellen und einen genauer beschreiben, um die Funktionsweise zu verdeutlichen (Vgl. [15] S. 129f):
· Achtjährige: Sie betrieben das Schulpostamt.
· Neunjährige: Sie versorgten die Schule mit allem, was sie benötigte, z.B. kauften sie das Inventar.
· Zehnjährige: Sie waren für alle handgedruckten Materialien der "Siebener" verantwortlich.
· Elfjährige: Sie versorgten die Schule mit benötigten Druckerzeugnissen (Anwesenheitslisten, Büchereikarten, ...).
· Zwölfjährige: Sie stellten zu Beginn Spielzeug her, übernahmen aber schließlich die Herausgabe eines monatlichen Magazins ("The Bookworm's Digest"). In diesem Magazin wurden neue Kinderbücher vorgestellt und es gab eine populäre Rubrik "Old Favorites", in der Klassiker diskutiert wurden.

Das Schulpostamt: Die "Achter" betrieben das Schulpostamt. Dafür war es notwendig, eigene, d.h. selbst gebaute Briefkästen in der Schule aufzustellen. Diese wurden fünf mal täglich von einem "Postboten" geleert und anschließend die Post verteilt. Schüler, Lehrer und anderes Personal nutzten diesen Service. Aber man konnte nicht nur Briefe in der Schule verschicken, sondern auch Pakete. Diese wurden ebenfalls durch einen Postboten ausgeliefert. Gab es einen dringenden Auftrag, konnte man auch jederzeit einen Postboten mit Hilfe einer elektrischen Klingel rufen, und dieser erledigte den Auftrag sofort. Die Klingel wurde natürlich auch von den Achtjährigen zuvor gebaut und installiert. Ein weiterer Aufgabenbereich war das Postamt selbst, für das Tische und Schalter gebaut werden mussten, um dort auch Postbedarf (Briefumschläge, Briefmarken, etc.) verkaufen zu können. Für den Betrieb des Postamts wurden jede Woche ein Postamtsvorsteher und ein Assistent gewählt, die den Verkauf übernahmen und auch die Buchführung erledigten. (Vgl. [15] S. 128)

Heute noch ist die City and Country School sehr kindzentriert und lebt eine demokratische Gemeinschaft. Sie selbst nennt sich stolz "eine der ältesten progressiven Schulen in den Vereinigten Staaten" (Vgl. [A] und [15] S. 123) und hält mehr als die meisten anderen (ehemals) progressiven Schulen an den Visionen seines Gründers fest. Durch die nicht unbeträchtliche Schulgebühr von $ 7.300,00 - $ 10.500,00 pro Jahr wird sie jedoch vorwiegend von Mittelschichtkindern besucht, und nicht, wie Caroline Pratt es sich vorgestellt hatte, von Arbeiterkindern. (Vgl. [15] S. 121-123)

Auf der Website der City and Country School findet man Auszüge aus dem aktuellen pädagogischen Programm(Vgl. [A]):
Die Schule wurde auf dem Glauben gegründet, dass das Verlangen zu Lernen eine der stärksten menschlichen Antriebe ist. Und die wichtigste Aufgabe der Erzieher sei es, diese Antriebe in konstruktive Wege zu leiten. Die Schule verfolgte von Anbeginn an den Grundsatz, "fit the school to the child, not the child to the school", der implizit auch einen fundamentalen Respekt den Kindern und ihrer Verschiedenheit in allen Bereichen gegenüber enthält. In der City and Country School wird der Lernprozess höher bewertet als die Antwort an sich, da man - wie auch Caroline Pratt - der Meinung ist, dass das Wissen, wie man eine Antwort finden kann, oftmals wichtiger und nützlicher ist, als die Antwort an sich. Die Kinder werden daher ermutigt, Dinge auszuprobieren, zu erforschen, eigene Schlüsse zu ziehen, eigene Wege zu gehen und eigene Ideen zu entwickeln ohne dabei Angst vor Fehlern zu haben. Jedes Kind wird in der Schule als Individuum und auch als Mitglied einer Gruppe gesehen. Mädchen und Jungen sind dabei immer gleich(berechtigt). Ein erklärtes Ziel der Schule ist es, dass die Kinder lernen, sich selbst und andere einzuschätzen. Sie sollen lernen, ihre Qualitäten und Beiträge und die von anderen Menschen zu würdigen. Wichtig ist dabei, eine Verschiedenheit zwischen den Kindern zuzulassen. Jede Verschiedenheit ist produktiv und in der City and Country School erwünscht. Denn jeder hat seine eigenen Fähigkeiten, Stärken und auch Schwächen, die in Kombination ein produktives Arbeiten erst ermöglichen.