Geschichte der Progressive Education
Association

home

 

Die Progressive Education Association (kurz P.E.A.) wurde am 04. April 1919 von Stanwood Cobb gegründet, mit dem Ziel, das gesamte Schulsystem von Amerika zu reformieren. Unter den Gründungsmitgliedern waren u.a. auch John Dewey und Marietta Johnson. (Vgl. [D])
Bei der Namensgebung wurde zuerst "Association for the Advancement of Experimental Schools" in Erwägung gezogen. Allerdings wurde dieser Vorschlag wieder fallengelassen, da die Ziele einer "experimentellen" Schule in der Öffentlichkeit missverstanden werden könnten - so die Befürchtung. Cobb:
"Mütter wünschen nicht, daß ihre Kinder Versuchskaninchen sind" (Cobb zit. n. [8] S. 14). Der endgültige Name "Progressive Education Association" barg dagegen nicht diese Gefahr. Er entsprach dem Zeitgeist, klang modern und vielversprechend. Er war zudem offen für alle neuen Bestrebungen. Um ihn dennoch definitorisch zu begrenzen, wurden sieben Prinzipien (Vgl. [8] S. 14) formuliert:
I. Freiheit für eine natürliche Entwicklung
II. Interesse, das Motiv für alle Arbeit
III. Der Lehrer als Führer, nicht als Aufgabenmeister
IV. Wissenschaftliches Studium der kindlichen Entwicklung
V. Größere Beachtung aller Einflüsse auf die körperliche Entwicklung des Kindes
VI. Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus, um den Nöten im kindlichen Leben zu begegnen
VII. Die progressive Schule als Orientierungspunkt in der pädagogischen Entwicklung

Stiegen die Mitgliedszahlen der Progressive Education Association anfangs eher zurückhaltend, erreichten sie 1930 mit 7.400 Mitgliedern ihren Höchststand. Die P.E.A. entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren zu einer zentralen Institution im pädagogischen Bewusstsein der Öffentlichkeit.
Angesichts veränderter sozialer Verhältnisse begann allerdings in den 40er Jahren eine zunehmende Infragestellung der P.E.A. Aus diesem Grund änderte sie 1944 ihren Namen in "American Education Fellowship" (in Anlehnung an die New Education Fellowship). Aber dieser Wechsel hatte nicht die erhoffte Wirkung. Die Kritik hielt an. Daher kehrte die (allerdings kleiner gewordene) Gruppe wieder zu ihrem alten Namen zurück, gleichsam als erneutes Glaubensbekenntnis. (Vgl. [8] S. 16) Die Tage der Progressive Education Association waren zu diesem Zeitpunkt aber schon gezählt. 1955 schließlich löste H. Gordon Hullfish (der damit letzte Präsident der P.E.A.) die Organisation auf. Ihre Vertreter versuchten, diesen Schritt wie einen Sieg, und nicht wie eine Niederlage darzustellen. Sie sagten, die Organisation habe ihre Arbeit getan und würde nicht weiter benötigt. (Vgl. [16] S. 219) Zwei Jahre später wurde auch die von der P.E.A. herausgegebene Zeitschrift Progressive Education endgültig eingestellt. Damit ging eine Ära in der amerikanischen Pädagogik zu Ende, die in enger Kooperation mit der Erziehungspraxis viele neue erzieherische Impulse vermittelt hatte. (Vgl. [8] S. 16 und 131)

Zum Verhältnis der P.E.A. zur N.E.F. (New Education Fellowship):
(Die N.E.F. ist sozusagen das europäische Pendant der P.E.A., entwickelte sich aber zu einem internationalen Forum. Sie ist heute bekannt als "World Education Fellowship" (W.E.F.) oder (im deutschsprachigen Raum) als der "Weltbund für Erneuerung der Erziehung"(W.E.E.))

Harold Rugg, einer der Sprecher der P.E.A. empfahl 1931 (nachdem er an der Internationalen Konferenz der N.E.F. in Nizza teilgenommen hatte) den Anschluß der Organisation an die New Education Fellowship. Am 01. Oktober 1932 wurde dieser Schritt beschlossen. Die beiden Vereinigungen kooperierten auf sachlicher und personeller Ebene zunehmend. Harold Rugg und auch John Dewey waren nur zwei der P.E.A.-Sprecher, die mehrfach auf Kongressen der N.E.F. gesprochen haben. Besonders hervor tat sich auch Carleton Washburne. Er versuchte bewusst, durch seine Tätigkeit die beiden Organisationen zu verknüpfen. So war er auch von 1937-1941 Präsident der P.E.A. und ein paar Jahre später übernahm er diesen Posten bei der N.E.F. (Präsident 1948-1956). Nachdem die P.E.A. aufgelöst wurde, übernahm er die Organisation und Leitung der amerikanischen Sektion der New Education Fellowship. Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass erst durch die Kooperation mit der N.E.F. ein tragfähiger pädagogischer Brückenschlag zwischen den USA und Europa zustande kam. Gründe hierfür waren:
Verwandte Zielstellung der beiden Korporationen, die ihren Ausdruck auch in sehr verwandten Programmpunkten fand
Die N.E.F. entwickelte sich als internationale Institution zu einem weltoffenen Forum, dem man während dieses Zeitraums nur unter Verzicht auf internationale Gesprächsnähe fernbleiben konnte.
Nahezu alle namhaften europäischen Reformschulen gehörten der N.E.F. an. (Vgl. [8] s. 15)

Auch Carleton Washburne hatte schon früh die Erfahrung gemacht, dass die N.E.F. der geeignete Ansprechpartner war, wenn man Reformschulen ausfindig machen und Kontakt zu ihnen knüpfen wollte. Er schreibt hierrüber: "Wir begannen 1922/23 mit einem viermonatigen Urlaub von Winnetka, um experimentelle Schulen zu studieren. Darüber wurde in ›New Schools in the Old World‹ berichtet. Während dieser Reise lernte ich zum ersten Mal die New Education Fellowship kennen, denn es war diese Organisation, die mir die Hinweise gab, welche Schulen und Erzieher ich in Europa zu besuchen hatte." ([8] S. 15)